LAPP
Ursula-Ida-Lapp-Stipendiatin Veronika Landhäußer
Veronika Landhäußer ist die erste Ursula-Ida-Lapp Stipendiatin.
Zu welchem Thema promovierst du?

Veronika Landhäußer: Ich forsche zum Einsatz von Virtual Reality in der Suchttherapie. Die Idee dazu entstand bereits während meines Masterstudiums im Rahmen eines Mixed-Reality-Projekts. Innerhalb meines Forschungsprojekts untersuche ich primär, wie die Personalisierung in Virtual Reality Anwendungen für den Einsatz in der Alkoholsuchttherapie umgesetzt werden kann – zum Beispiel mit Hilfe adaptiver KI-unterstützer Modelle. Alternative innovative Anwendungen im Therapiekontext sind sehr gefragt und dabei spielt die individuelle Gestaltung und Anpassungsfähigkeit dieser Anwendungen eine große Rolle.

Diese Verbindung zwischen technischer Entwicklung und praktischem Einsatz im Gesundheitskontext macht dieses Projekt für mich besonders spannend. Parallel zu meiner Forschungsarbeit arbeite ich als wissenschaftliche Hilfskraft im Bereich Software Engineering.

 

Wie bist du zu deiner Tätigkeit im MINT-Bereich gekommen?

Veronika Landhäußer: Schon als Kind war ich fasziniert von Computern. Mein erstes eigenes Gerät, ein Laptop mit Windows 98, wurde bald mein täglicher Begleiter. Ich erinnere mich daran, dass mein Onkel meine Technikbegeisterung gefördert hat – er hat mir beigebracht, wie ich mit dem Computer arbeiten und mich im Internet zurechtfinden kann. Rückblickend sind es genau diese kleinen Momente, die meine Begeisterung für Technik geweckt haben.

Später habe ich ein technisches Gymnasium mit dem Profil Informatik besucht. Allerdings lag mir Informatik leider nicht so, wie ich mir das erhofft hatte. Das änderte sich, als ich den Studiengang Automotive Systems Engineering entdeckte. Doch auch da wurde mir irgendwann klar, dass dieser Bereich auf Dauer nichts für mich ist. Die Entscheidung, mich im Masterstudium wieder stärker der Informatik zuzuwenden, hat sich als richtungsweisend herausgestellt. Dort fand ich meine fachliche Heimat und schließlich den Zugang zur Forschung und Promotion.

Künstliche Intelligenz kommt in der Suchttherapie zum Einsatz
KI wird in der Suchttherapie zu einem immer wichtigeren Bestandteil, etwa in der Früherkennung oder kontinuierlichen Begleitung.
Wie hast du deine Ausbildung und deine bisherigen Berufsstationen erlebt?

Veronika Landhäußer: Während meines Studiums habe ich immer wieder erlebt, wie mein Geschlecht im MINT‑Umfeld sichtbar wurde – sei es durch den niedrigen Frauenanteil oder das Gefühl, mich stetig beweisen zu müssen. Nicht unbedingt, weil jemand das aktiv einforderte, sondern weil diese Erwartung, sich als Frau ständig beweisen zu müssen, gesellschaftlich tief verankert ist. Vor allem während meines ersten Studiums hatte ich Zweifel und das Gefühl, nicht mithalten zu können. Was mir geholfen hat, war mein Ehrgeiz. Ich wollte das zu Ende bringen, was ich begonnen hatte. Rückblickend bin ich sehr froh darüber. Wer weiß, ob ich heute sonst meinen Weg in die Forschung gefunden hätte.

Was macht dir an deinem Job besonders viel Spaß?

Veronika Landhäußer: Am meisten Freude macht mir der Austausch mit vielen unterschiedlichen Menschen. Auf Konferenzen, in Projekten und in der Zusammenarbeit mit meinem Team lerne ich ständig neue Perspektiven kennen. Es fühlt sich gut an, zu merken, wie das eigene Netzwerk wächst und man Teil einer Gemeinschaft wird, deren Mitglieder an ähnlichen Themen arbeiten und sich gegenseitig unterstützen. Dieses Miteinander und das Gefühl, gemeinsam etwas zu bewegen, motivieren mich.

Was bedeutet das Ursula-Ida-Lapp Promotionsstipendium für dich?

Veronika Landhäußer: Für mich ist das Promotionsstipendium mehr als nur eine finanzielle Förderung. Die Geschichte von Ursula Ida Lapp und ihr Weg als Gründerin und Unternehmerin haben mich beeindruckt. Dass ein international erfolgreiches Unternehmen sich für Frauen in Technik und Forschung engagiert, hat mich begeistert. Besonders wichtig ist mir der ideelle Aspekt: das Netzwerk, die Sichtbarkeit von Frauen in der Wissenschaft und die Möglichkeit, selbst als Vorbild zu wirken. Ich bin dankbar, Teil dieser Initiative zu sein und die Möglichkeit zu bekommen, meine Erfahrungen weiterzugeben.

Was wünscht du dir für die Zukunft für Frauen in MINT-Berufen?

Veronika Landhäußer: Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Frauen im MINT-Bereich nicht mehr als Ausnahme wahrgenommen werden, sondern selbstverständlich dazugehören. Sichtbarkeit spielt dabei eine zentrale Rolle. Nur, wenn Mädchen und junge Frauen Vorbilder sehen, können sie sich selbst in technischen und wissenschaftlichen Rollen vorstellen. Initiativen von Hochschulen und Unternehmen leisten einen wichtigen Beitrag, um Vorurteile abzubauen und neue Perspektiven zu eröffnen.

Was würdest du Mädchen und Frauen raten, die sich für MINT-Berufe interessieren?

Veronika Landhäußer: Beschäftige dich mit dem, was dich interessiert und mache dir dein eigenes Bild. Lass dir nicht von anderen vorschreiben, wie dein Leben aussehen soll. Wir leben in einer Zeit, in der Frauen ihren eigenen Weg wählen dürfen und genau das sollten wir nutzen. Der Weg in die Forschung wirkt für viele Frauen noch unkonventionell, je nach Branche vielleicht sogar ungewöhnlich. Aber das bedeutet nicht, dass es nicht möglich ist. Vertraue auf deine Fähigkeiten, suche dir Menschen, die dich unterstützen, und habe den Mut, deinen eigenen Weg zu gehen.

Vielen Dank für das Interview!

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Joanna Amor
Head of TAED LA EMEA & Global DEI Manager

„Für mich ist das Ursula Ida Lapp Stipendium eine wirklich besondere Initiative, weil es jungen Menschen konkrete Chancen eröffnet, ihr Potenzial zu entfalten. Bei LAPP ist es uns wichtig, Perspektiven zu schaffen – unabhängig vom individuellen Hintergrund. Umso mehr schätze ich die enge Zusammenarbeit mit der Hochschule Heilbronn, die genau das möglich macht.“