LAPP

Die Bahnindustrie in Europa steht vor einem grundlegenden Umbruch. Viele Fahrzeugflotten sind technisch überaltert und gleichzeitig steigen die Anforderungen an Sicherheit, Verfügbarkeit und die Umweltverträglichkeit. Neue Brandschutzvorgaben, verschärfte Zulassungsnormen und der wachsende Bedarf an digitalen Überwachungs- und Steuerungssystemen erhöhen zusätzlich die Komplexität im Fahrzeugbau. Hersteller:innen und Betreiber:innen müssen deshalb langfristiger planen. Komponenten sollen über Jahrzehnte zuverlässig funktionieren, wartungsarm bleiben und sich in immer komplexere Systeme integrieren lassen. Auch politisch und gesellschaftlich besteht Druck, den Schienenverkehr als zukunftsweisende Mobilitätslösung auszubauen.

Der Dieseltriebzug Leon zeigt exemplarisch, wie der rumänische Bahnsektor mit diesen Anforderungen umgeht. Zum ersten Mal seit über 80 Jahren entstand mit Leon ein Personenzug, der in Rumänien entwickelt und gebaut wurde. Realisiert wurde das Projekt von dem rumänischen Unternehmen Electroputere VFU mit Sitz in Paşcani. Das traditionsreiche Instandhaltungs- und Fahrzeugbauunternehmen vollzog mit Leon einen Schritt vom Modernisierer bestehender Fahrzeuge hin zum Hersteller eigener Zugplattformen. Bei der Verbindungstechnik setzt Electroputere VFU auf Lösungen von LAPP, dem Weltmarktführer für integrierte Lösungen im Bereich der Kabel- und Verbindungstechnologie. Die eingesetzten Leitungen bilden das Rückgrat der elektrischen Infrastruktur im Fahrzeug und tragen dazu bei, die hohen Anforderungen an Brandschutz, Zuverlässigkeit und Lebensdauer im täglichen Bahnbetrieb zu erfüllen.

Ein weiter Weg vom Fahrzeugkonzept zur normgerechten Umsetzung

Der Dieseltriebzug Leon wurde als Mehrzweckfahrzeug für den regionalen und überregionalen Personenverkehr konzipiert. Ziel war es, ein vollständig zulassungsfähiges Schienenfahrzeug zu entwickeln, das den aktuellen europäischen Sicherheits- und Betriebsanforderungen entspricht und gleichzeitig unter realen Einsatzbedingungen robust und wirtschaftlich bleibt. Der dreiteilige Zug verfügt über insgesamt 145 Sitzplätze inklusive eines kleinen Businessbereichs und ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h ausgelegt. Zwei Dieselmotoren mit jeweils 390 kW Leistung sorgen für den Antrieb.

Ob das Konzept auch unter realen Bedingungen funktioniert, zeigte sich in der anschließenden Erprobung. Bevor der Zug in den Fahrgastbetrieb überging, absolvierte er mehr als 30.000 Kilometer Probefahrten. Dabei ging es nicht nur um das Fahrverhalten oder mechanische Abstimmungen, sondern auch die Belastungsprobe der elektrischen Systeme im Dauerbetrieb. Hier zeigten sich die größten Herausforderungen des Projekts: Die elektrische Ausrüstung musste hohen Anforderungen an Sicherheit, Zuverlässigkeit und Wartungsfreundlichkeit erfüllen.

Außerdem muss der Leon als Personenfahrzeug einschlägige europäische Normen einhalten, insbesondere mit Blick auf Rauchentwicklung, Toxizität und Flammenausbreitung. Ein Augenmerk lag entsprechend auf dem Brandschutz. Parallel wirken im Bahnbetrieb starke Vibrationen, Temperaturschwankungen sowie mechanische Belastungen auf die Verbindungstechnik ein. Ölhaltige Umgebungen im Bereich des Antriebsstrangs und enge Bauräume erschweren zusätzlich eine saubere und sichere Leitungsführung.

Spezialisierte Verbindungstechnik für Bahnverkehr: ÖLFLEX® TRAIN

Um diese Anforderungen vollständig und langfristig erfüllen zu können, entschied sich Electroputere VFU bei der elektrischen Ausstattung des Leon für Verbindungslösungen von LAPP. Zum Einsatz kommen speziell für Schienenfahrzeuge entwickelte Leitungen aus dem ÖLFLEX® TRAIN Portfolio. Sie übernehmen zentrale Funktionen in der Energieversorgung sowie in Steuerungs- und Überwachungssystemen und bilden damit das funktionale Rückgrat der elektrischen Infrastruktur des Fahrzeugs. Für feste Installationen kommen einadrige, flammwidrige und halogenfreie Leitungen zum Einsatz, während flexible mehradrige Kabel dort verwendet werden, wo bewegte Verlegungen oder enge Bauräume eine hohe Biegefestigkeit erfordern.

Dabei sind die eingesetzten Leitungen auf die besonderen Belastungen des Bahnbetriebs ausgelegt. Dazu zählen hohe Anforderungen an den Brandschutz ebenso wie mechanische Beanspruchung durch Vibrationen, Temperaturschwankungen und dynamische Kräfte. Die Kabel erfüllen die europäische Brandschutznorm EN 45545, sind halogenfrei ausgeführt und reduzieren im Brandfall Rauchentwicklung und Toxizität. Gleichzeitig sind sie beständig gegenüber Öl sowie dauerhaftem mechanischem Stress und für einen breiten Temperaturbereich von –50 °C bis +120 °C ausgelegt.

Gemeinsam für die Bahnzukunft Rumäniens

Für Electroputere VFU war die Zusammenarbeit mit LAPP ein Erfolgsfaktor bei der Realisierung des Projekts Leon. Die Expert:innen von LAPP bringen langjährige Erfahrung aus internationalen Bahnprojekten mit und konnten beim Umgang mit sicherheitsrelevanten Normen und komplexen Zulassungsprozessen ideal unterstützen. Diese Expertise floss bereits in einer frühen Projektphase in die Auslegung der elektrischen Infrastruktur ein und unterstützte eine normgerechte wie praxisnahe Umsetzung.

Der Dieseltriebzug Leon zeigt: Auch in Rumänien nimmt die Entwicklung und Fertigung moderner Schienenfahrzeuge nach europäischen Vorgaben wieder Fahrt auf. Möglich wird das durch das Zusammenspiel aus lokaler Engineering-Kompetenz und der bewährten technologischen Kompetenz internationaler Partner wie LAPP. Für die rumänische Bahnindustrie markiert das Projekt Leon die Rückkehr zur eigenständigen Fahrzeugentwicklung und unterstreicht, wie viel stabile Industriepartnerschaften bei der Erneuerung des nachhaltigen Schienenverkehrs bewegen können.